2017 - Bayerischer Wald ( Ritzmais )

Dauer der Tour: 9 Tage
Gesamtstrecke: 3178 km
gefahrene Kilometer mit dem Auto: 1449
gefahrene Kilometer mit dem Motorrad: 1729

Bezüglich der Motorradwoche 2017 haben wir uns einige Gedanken gemacht - " mal was Neues " ... das sollte es sein. Nach einiger Überlegung fiel unsere Wahl auf den schönen Bayerischen Wald, eine Region die wir mit dem Motorrad definitiv noch nicht bereist haben.

Schnell fanden wir mit der "Ritzmaiser Säg" das perfekte Ferienhaus für uns. Ruhig & idyllisch, aber dennoch zentral direkt auf dem Rusel gelegen - der perfekte Ausgangspunkt für ausgedehnte Touren durch eine der schönsten Landschaften Deutschlands.

1. Tag "Anreise mit dem Auto" 775 Kilometer
Essen -> Wuppertal -> Hagen -> Lüdenscheid -> Wetzlar -> Bad Soden -> Fulda -> Schweinfurt -> Bamberg -> Bayreuth -> Nürnberg -> Regensburg -> Deggendorf -> Ritzmaiser Säge

Pünktlich zur Abfahrt um 05.30 h meldet sich mein Navi das erste Mal zu Wort.
OK – dass die Autobahnen heute etwas voller werden war uns bewusst, aber dass wir bereits kurz nach dem Aufstehen die A3 gen Süden meiden sollen hielten wir zunächst für einen schlechten Scherz. Wir hatten natürlich auch nicht mit der Pfiffigkeit der Herren von Straßen NRW gerechnet.
Mitten in den Ferien wurde vorm Leverkusener Kreuz eine Tagesbaustelle eingerichtet – inklusive einer Reduzierung von 3 auf 1 Spur. Lange Staus und ein Zeitverlust von bis zu 3 Stunden waren die Folge, ich war froh mich mal wieder auf den Online-Dienst von VW verlassen zu haben. Bravo, ganze Arbeit meine Herren !

Auch der Rest der Anreise lief nicht wie erwartet – Siegen, Fulda, Schweinfurt, Bamberg und Bayreuth waren nicht gerade Stationen die wir heute favorisiert hätten. Unterm Strich haben wir alles richtig gemacht, nach knapp 8 Stunden erreichten wir unser Ferienhaus auf dem Rusel bei Bischofsmais.

Da für Sonntagvormittag Regen in Regen vorhergesagt war deckten wir uns zunächst mit dem Nötigsten ( Bier, Grillgut ) ein und feierten erstmal ordentlich Frank’s Geburtstag !

2. Tag "Rund um Cham" 149 Kilometer
Ritzmaiser Säge -> Bischofsmais -> Teisnach -> Viechtach -> Bad Kötzting -> Satzdorfer See -> Vilzing -> Grün / St. Engmar -> Schwarzach -> Bernried -> Deggendorf -> Ritzmaiser Säge

Überraschenderweise blieb der angekündigte Regen aus. Da wir jedoch ordentlich Geburtstag gefeiert hatten begannen wir den Tag mit einem ausgiebigem Frühstück.
Das Wetter hielt sich und so machten wir uns erst gegen 14 Uhr auf zur ersten kleinen Runde durch den Bayerischen Wald. „Rund um Cham“ so der Titel dieser kleinen, aber feinen Ausfahrt.
Als Wendepunkt hatten wir uns den Satzdorfer See ausgeguckt. Auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube entstand hier ab 1971 ein bei Familien sehr beliebter Badesee, inklusive einem Natur- und Freizeitpfad.

Wir ließen es zum gemütlichen Einschwingen erstmal ruhig angehen und genossen den ersten Einblick in die beeindruckende Landschaft des Bayerischen Waldes.

Nach knapp 3 Stunden stellten wir die Bikes wieder in den Unterstand an der Ritzmaiser Säge und genossen die untergehende Sonne auf unserer Terrasse. Dieser erste Eindruck machte definitiv Lust auf mehr.

3. Tag "Lipno-Stausee" 387 Kilometer
Ritzmaiser Säge -> Regen -> Zwiesel -> Bayerisch Eisenstein -> Nová Hûrka -> Srni -> Horská Kvilda -> Rasnice -> Volary -> Horni Planá -> Frymburk -> Lipno Nad Vltavou -> Guglwald -> Sankt Stefan am Walde -> Haslach an der Mühl -> Schlägl -> Neureichenau -> Mauth -> Spiegelau -> Spiegelhütte -> Zwiesel -> Kirchberg im Wald -> Ritzmaiser Säge

Heute ging es zum ersten Mal ins benachbarte Tschechien.
Wer dem Klischee nach an der Grenze leicht bekleidete Damen, Schönheitschirurgen oder sonstiges erwartet hat, den muss ich leider enttäuschen.
Zumindest am späten Vormittag war von all dem nichts zusehen, lediglich ein kleiner „Duty-Free“-Shop zierte den Landeseintritt.

Der 120 Kilometer lange Böhmerwald, welcher sich an der tschechisch-deutsch-österreichischen Grenze erstreckt, ist landschaftlich und auch fahrerisch ein Hochgenuss.
Unser Ziel am Ende des Böhmerwaldes war das flächenmäßig größte Gewässer Tschechiens, der Lipno-Stausee. Mit seiner beeindruckenden Länge von 42 Kilometern war es unser Highlight des heutigen Tages.
Es machte schon riesigen Spaß die kurvigen Straßen entlang des Stausees unter die Räder zu nehmen, keine Hochgeschwindigkeitsstrecke – aber definitiv was fürs Auge.

Über Österreich ging es dann zurück Richtung Nationalpark Bayerischer Wald. Hier im Dreiländereck konnten wir es richtig gut gehen lassen, die leeren Straßen ließen unser Blut in Wallung kommen.
Kurz nach 18 Uhr genossen wir das erste „Feierabendbierchen“ auf unsere Terrasse und redeten noch lange über die Erlebnisse dieses perfekten Tages !

4. Tag "Oberpfälzer Wald" 361 Kilometer
Ritzmaiser Säge -> Regen -> Arnbruck -> Bad Kötzting -> Schorndorf -> Falkenstein -> Roding -> Neubäu -> Rötz -> Neunburg vorm Wald -> Pfreimd -> Tännesberg -> Moosbach -> Schönau -> Schönthal -> Waldmünchen -> Furth im Wald -> Lam -> Regen -> Ritzmaiser Säge

Der Oberpfälzer Wald ist ein nord-südlich verlaufendes Mittelgebirge entlang der Grenze zwischen Bayern und Tschechien.
Diese Tour war für mich eine noch größere Unbekannte als die anderen in diesem Jahr. Gefunden hab ich sie irgendwo im Netz, optimiert für unseren Standort bei Bischofsmais.

Um es vorweg zu nehmen:
Diese Runde war einfach fantastisch, vielen Dank unbekannterweise !

Zahlreiche Burgen, Schlösser und Weiher säumen den Weg – dazu schöne kurvige Straßen in unberührter Landschaft, fernab vom Massentourismus, hier kann man nur ins Schwärmen geraten. Leider konnte ich nicht so viele Fotos machen wie es dieser Gegend gerecht werden würde, 361 Kilometer sollten erstmal bewältigt werden !

Den Abschluss des Tages bildete ein Stopp am Großen Arbersee, direkt unter der großen Arberwand gelegen. Auf einem gut ausgebauten Seerundweg lässt sich das Naturschutzgebiet mühelos erwandern. Den Seerundgang heben wir uns aber für ein anderes Mal auf und machten uns auf den Heimweg.

BBQ, Bier und Fifa rundeten diesen tollen Tag ab !

5. Tag "Dreiburgenland" 246 Kilometer
Ritzmaiser Säge -> Schaufling -> Grattersdorf -> Simmetsreuth -> Solla -> Hundsruck -> Tittling -> Fürsteneck -> Waldkirchen -> Hauzenberg -> Passau -> Fürstenzell -> Bad Griesbach -> Ratzing -> Ortenburg -> Vilshofen an der Donau -> Eging am See -> Zenting -> Freundorf -> Schaufling -> Kalteneck -> Schaufling -> Ritzmaiser Säge

„Das Dreiburgenland ist eine waldreiche, hügelige Region im südlichen Bayerischen Wald, das seinen Namen von den Burgen Fürstenstein, Englburg und Saldenburg erhalten hat."
Dieses ist laut Wikipedia die offizielle Beschreibung dieser Region, wenn ich ehrlich bin viel mir einfach kein anderer Name für diese Runde ein, aber liest sich nicht schlecht oder ?

Der Regen war da !
Damit meine ich nicht den 190-Kilometer langen Fluss ( der ist ja immer da ), sondern das kühle Nass von oben. Aus diesem Grund verzögerte sich unsere Abfahrt auf 13 Uhr und wir kreierten schnell eine mittellange Runde die wir in Ansätzen in einer Motorradzeitschrift gefunden hatten.
Die Straßen waren mittlerweile trocken, der Himmel riss auf und die ausgewählte Strecke war stimmig. Lediglich die Gegend um Tittling und Fürsteneck bereitete uns, besser gesagt meinem Garmin, einige Probleme.
So kam es das – als wir das vierte Mal an einer Gruppe von Spaziergängern vorbeifuhren – uns ein breites Grinsen entgegenschlug. Dank unserer Helme entkamen wir unerkannt.

Danach waren wir wieder auf dem rechten Weg und genossen die Tour in vollen Zügen. In Eging am See gönnten wir uns eine längere Pause und tranken im Biergarten des Wirtshauses am Seeufer ein frisches, erfrischendes alkoholfreies Weizenbier.

Dass dieses das letzte alkoholfreie Getränk des Tages war muss ich sicherlich nicht extra erwähnen. Bereits eine Stunde später fanden wir uns wieder auf der Terrasse der Ritzmaiser Säge wieder und ließen den Tag gemütlich ausklingen.

6. Tag "Quer durch den Bayerischen Wald" 372 Kilometer
Ritzmaiser Säge -> Regen -> Bodenmais -> Teisnach -> Arnbruck -> Lohberg -> Bayerisch Eisenstein -> Zwiesel -> Kirchberg im Wald -> Innernzell -> Grafenau -> Spiegelau -> Altschönau -> Speltenbach -> Mauth -> Herzogsreut -> Altreichenau -> Lacken -> Hauzenbeg -> Waldkichen -> Freyung -> Oeching -> Tittling -> Schöllnach -> Deggendorf -> Ritzmaiser Säge

Heute ging es in die Vollen, wir wollten unsere Urlaubsregion mal genauer erkunden.
Das Wetter hielt sich, anfangs war es zwar etwas bewölkt, aber am frühen Vormittag ließ sich auch die Sonne blicken – unvorstellbar dass für morgen ein Regentag vorhergesagt war.

Aber wo sind wir hier überhaupt ?
Der Bayerische Wald liegt im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien, höchster Punkt ist der Großer Arber mit seinen 1455 Metern. Das Gebiet entlang der tschechischen Grenze wurde in einen Nationalpark umgewandelt und gilt somit als einziger Urwald Deutschlands.

Wie der Name der Tour schon sagt, die heutige Runde führt uns fast 400 Kilometer quer durch den Bayerwald und dem Nationalpark. Es war ein Traum, langgezogene Kurven reihten sich aneinander wie die Perlen einer Kette. Es beschlich einem das Gefühl fast alleine in dieser Region unterwegs zu sein, selbst von der Rennleitung war keine Spur - dieses ist in anderen Mittelgebirgen definitiv anders.

Wir genossen den Tag in vollen Zügen und waren uns sicher in den nächsten Jahren hierhin zurückzukehren. Den Tag beendeten wir dann mit dem "Arber-Cup" auf der PS4.

7. Tag "Ruhetag" 75 Kilometer
Ritzmaiser Säge -> Regen -> Arnbruck -> Bodenmais -> Ritzmaiser Säge

So ein Mist aber auch …
... wieso mussten die Wetterfrösche denn ausgerechnet heute Recht haben ? Das hatten sie doch sonst nie !
Ihr ahnt es schon – es regnete als wenn es kein Morgen gibt !
Getreu dem Motto „Einfach mal liegen bleiben“ gingen wir den Tag in aller Ruhe an. Wenn wir schon in der Glasbläserregion Nummer Eins sind nutzen wir natürlich die Gelegenheit uns das traditionelle Handwerk mal intensiver anzuschauen.

Zunächst ging es ins Glasdorf Weinfurtner bei Arnbruck. Ehrlicherweise waren wir hier nicht sehr begeistert und suchten schnell das Weite. Teilweise sah es hier aus wie ein Großlager eines schwedischen Warenhauses. Die nächste Station war Joska in Bodenmais, hier war es wesentlich interessanter. Beim Schauglasblasen konnten uns die Kunst des Glasblasens aus nächster Nähe ansehen, ausführlichen Erklärungen inklusive.

Nachdem wir uns mit ein paar Präsenten für die Daheimgebliebenen eingedeckt hatten war es Zeit für Kaffee & Kuchen, irgendwie mussten wir uns den Tag ja versüßen. „Nach Kuchen im Hals folgt Hopfen und Malz“ – dementsprechend verlief der Rest des Tages und wir spielten beim PS4-Arber Cup groß auf !
Währenddessen keimte in uns die Hoffnung auf Wetterbesserung, wir waren gespannt ob die Wetterfrösche auch morgen Recht behielten !

8. Tag "2-Flüsse-Tour" 214 Kilometer
Ritzmaiser Säge -> Schaufling -> Deggendorf -> Loham -> Irlbach -> Stephansposching -> Plattling -> Wallersdorf -> Landau an der Isar -> Trieching -> Irlbach -> Sraubing -> Bogen -> Untermühlbach -> Grün -> Sankt Englmar -> Schwarzach -> Bernried -> Deggendorf -> Ritzmaiser Säge

„Auf Regen folgt Sonnenschein“ – dies war auch heute so !
Da wir am Vorabend bereits unsere Motorräder reisefertig machen wollten wählten wir eine Runde mit mittlerer Länge aus. Wir kombinierten 2 Tourenvorschläge aus der MotorradFreizeit und nannten diese „2-Flüsse-Tour“.
Ich weiß, ihr seid ob der Namensgebung schlichtweg begeistert, wir haben auch wirklich ordentlich drüber nachgedacht. Überraschenderweise führt diese Tour ausnahmslos an der Donau und an der Isar entlang.

Lange habe ich überlegt ob ich Euch diese Tour zum Download anbieten soll – Frank und Ich sind diese Runde zweimal gefahren, zum ersten und zum letzten Mal. Eine triste, langweilige Strecke führte durch elendig viele kleinere Orte, Fahrspaß kam heute nur selten auf.
Wir redeten uns ein dass es zum Abschluss der Tour gar nicht soo schlimm war, wussten wir nun doch wo wir beim nächsten Mal nicht hin mussten. Aber ehrlicherweise hätte ich mir am letzten Tag etwas anderes gewünscht.

Sei’s drum – nach dem Verzurren der Bikes entschädigte ein Besuch im Gasthaus Wegmacherkurve für die nicht so perfekte Fahrt - hier gibt es wohl die besten Steaks & Burger der Region !
Nachdem die Motorräder verpackt und unsere sieben Sachen gepackt waren zogen wir bei einem letzten Bierchen ein sehr positives Resümee.
Natürlich, der Bayerische Wald ist nicht vergleichbar mit den Alpen. Langgezogene Kurven, grüne Wälder, saftige Wiesen, idyllische Weiher, wenig Verkehr und keine Rennleitung – wer hier nicht glücklich wird dem ist wirklich nicht zu helfen.

Für uns steht auf jeden Fall fest: „Heute ist nicht alle Tage – wir kommen wieder, keine Frage“

9. Tag "Abreise mit dem Auto" 674 Kilometer
Ritzmaiser Säge -> Deggendorf -> Regensburg -> Nürnberg -> Würzburg -> Aschaffenburg -> Frankfurt -> Montabaur -> Köln -> Hilden -> Wuppertal -> Velbert -> Hattingen-Niederwenigern

Bereits um kurz vor Sechs machten wir uns auf den Heimweg.
Da in vielen Bundesländern noch Sommerferien waren rechneten wir auch heute mit hohem Verkehrsaufkommen. Aufgrund dessen entschieden wir uns für die kilometermäßig weitere Route die wir letzte Woche auch schon hingefahren sind.

Schnell war Nürnberg erreicht und das Navi schlug uns die „Standardroute“ über die A3 vor, von Stau war weit und breit nichts in Sicht. Brav wie wir sind hörten wir natürlich auf die Frauenstimme die uns den Weg vorgab.
Eine gute Wahl – ohne größere Probleme erreichten wir um 14 Uhr unserer Ziel – die Motorradwoche 2017 war nun wirklich zu Ende !