Alpen / Dolomiten 2002

4.Tag *Pfunds - Colfosco*: 255 km
Pfunds -> Finstermünzpass -> Reschenpass -> Graun -> St. Valentin -> Schluderns -> Naturns -> Meran -> St. Leonhard -> Jaufenpass -> Sterzing -> Brixen -> Würzjoch -> San Martino in Badia -> Corvara -> Colfosco

Heute verließen wir Pfunds und machten uns auf den Weg in die Dolomiten / Italien. Das Bild glich dem gestrigen Tag: Der Himmel war Grau in Grau, doch Olaf beharrte auf seinem Standpunkt: "Ab Meran haben wir gutes Wetter". In gutem Glauben fuhren wir über den Finstermünzpass und den Reschenpass nach Mals. Wir folgten der Bundesstraße SS40 und kamen über Schluderns nach Spondigna. Moment halt, hier enden doch die Ausläufer des Stilfser Jochs. Ich brauche Euch nicht wirklich zu erklären, daß der Stilfser Joch gesperrt war, oder? Ich denke, es wäre grob fahrlässig den Stilfser nicht zu fahren, wenn man hier in der Gegend ist ... Weiter ging es über die SS38 nach Schlanders, Kastellbell und Naturns. Wir waren kurz vor Meran, und das Wetter besserte sich. Sollte Olaf wirklich Recht behalten? Bei Foresta ging es ab nach Meran und wir durchfuhren wirklich trockene Abschnitte. Die befürchtete Innenstadt von Meran brachten wir gut hinter uns, und es ging über St. Martin in Richtung Jaufenpass. Bei der Anfahrt zum Jaufenpass fing es endlich wieder an zu regnen. Schade Olaf, das Bier heute Abend geht auf Deine Kosten.

Der Jaufenpass nahm kein Ende, 40 km durch teilweise sehr heftigen Regen mussten bewältigt werden. Auf den letzten 200 Höhenmetern machten wir sogar mit dem Schnee Bekanntschaft. In 2099 m Höhe pausierten wir nur für ein paar Fotos und begaben uns dann schnell wieder talabwärts. Über Sterzing und Mittewald kamen wir nach Brixen. Wir bogen links in die Mozartallee ein und es ging über Milland, Sant' Andrea in Monte und Eores weiter zum Würzjoch. Der Würzjoch ist insgesamt 45 km lang und die Paßhöhe liegt bei 1987 m. Durch den unaufhörlichen Regen konnten wir die schönen, schmalen Kurven nicht so richtig genießen. In Antermoia hielten wir uns rechts und gelangten über San Martino in Badia und Pederoa nach Pedraces. Endlich hörte der Regen auf, und die letzten Kilometer führten uns über La Villa und Corvara nach Colfosco, am Fuße des Grödner Jochs. Der Besitzer des "Haus Reutlingen" erzählte uns, daß am nächsten Tag Corvara ein Etappenort des Giro D'Italia sei. Einige Pässe und Straßen waren deswegen gesperrt, und mit dem Streckenverlauf des Giro in der Hand wurde unsere Tour für den nächsten Tag geplant.

[Diashow "Der Weg in die Dolomiten"]

5.Tag *Dolomitenrunde*: 230 km
Colfosco -> Passo di Valparola -> Passo di Falzarego -> Cortina D'Ampezzo -> Gemärkpass -> Drei-Zinnen Straße -> Sant Angelo Pass -> Misurina -> Passo Tre Croci -> Cortina D'Ampezzo -> Passo Di Giau -> Caprile -> Alleghe -> Passo di Pellegrino -> Canazei -> Sellajoch -> Grödner Joch -> Colfosco

Bei traumhaft schönem Wetter machten wir uns zeitig auf den Weg, um dem Giro-Rummel zu entgehen. Durch die ersten Sperren hindurch ging es über Corvara und La Villa in Richtung Cortina. Der erste Pass des Tages war der Passo di Valparola. Über eine breite, ausgebaute Straße ging es hinauf auf 2192 m Höhe. Hier herrschte so gut wie kein Verkehr, und dementsprechend gingen wir auch die Abfahrt an... Der Passo di Valparola endet genau auf dem Passo di Falzarego, von dem wir heute nur die Abfahrt gefahren sind. Hier herrscht erhöhte Aufmerksamkeit, denn die Abfahrt ist mit einigen Sprunghügeln gespickt. Über Pocol fuhren wir nach Cortina D'Ampezzo. Dort hielten wir uns links, und kamen über Chiave und Cimabanche zum Gemärkpass. Der Gemärkpass mit seiner Steigung von 6% war eher unscheinbar und über Carbonin gelangten wir zu unserem Ziel, der Drei-Zinnen Bergstraße. Hier mußten wir zunächst 8 € Maut berappen.

Und da bin ich schon beim springenden Punkt: Für die Maut kann man jawohl erwarten, daß der Fahrbahnzustand in Ordnung ist. Aber, weit gefehlt ! Rollsplitt soweit mein Auge reicht, ob in der Kurve oder am Straßenrand, hier war es richtig gefährlich die eh` zu kurzen 7,5 km hochzufahren. Zugegeben, der Ausblick auf 2400 m Höhe entschädigt schon, aber die paar Euro hätte man sich echt sparen können. Weiter ging es über den Sant-Angelo-Pass, im Volksmund Misurinapass genannt (1756 m). Nach dem Misurinasee hielten wir uns rechts, und über den Passo Tre Croci (1805 m - Gähn!), Cortina D'Ampezzo kamen wir zurück nach Pocol. Links ging es ab zum Passo di Giau (2230 m). Der Passo di Giau bietet viele Kurven und hat den Vorteil, daß er nur wenig befahren wird. Allerdings sind auch viele Straßenschäden zu beklagen. Die Abfahrt führte uns nach Colle Santa Lucia, mehrere Menschen jubelten uns am Straßenrand zu.
Nach einigen Minuten kam mir die Idee, daß nicht wir, sondern die Stars des Giro gemeint waren. So kamen wir doch noch richtig hinein, in den Radfahrer-Rummel. Nette Polizisten wiesen uns den Weg, und es ergab sich keine Möglichkeit unsere "geplante" Route weiter zu fahren. In Caprile wurden wir in Richtung Passo di Fedaia gelotst und es bestand Hoffnung, unbeschadet aus der Sache heraus zu kommen. Nur wenige Minuten später wurde die Hoffnung jäh zerstört, in Sottoguda ging garnichts mehr. Wir kamen nicht vor und zurück, und so mußten wir eine Zwangspause von 90 Minuten einlegen. Wie es sich für Deutsche Biker gehört, spornten wir unsere Magenta-Asse an, als das Feld des Giro an uns vorbei flog. Die Straßen wurden wieder geöffnet und wir suchten uns einen neuen Weg zurück nach Colfosco. Unsere nächsten Stationen waren Caprile, Alleghe, Cencenighe und Falcade. Der nächste Pass war der Passo di San Pellegrino. Bei einer Steigung von 18% ging es hinauf auf 1919 m Höhe.
Hier gab es ein paar enge und steile Kehren, bei denen es aufzupassen galt. In Moena bogen wir rechts ab auf die SS 48. Über Pozzo di Fassa und Campitello di Fassa kamen wir nach Canazei. Die 16. Etappe des Giro D'Italia war zuende und der Abreiseverkehr machte uns echt zu schaffen. Wir mussten höllisch aufpassen, daß nicht einige dieser Radsport-Verückten von uns überrollt wurden ( oder auch umgekehrt). Endlich erreichten wir das Sellajoch und wir konnten uns wieder unserem Hobby zuwenden, das Motorradfahren. Und das wird hier am Sellajoch, und auch am folgenden Grödner Joch, großgeschrieben. Es ging nochmal hinauf auf 2213 Meter und diese "halbe" Sellarunde war das Highlight des heutigen Tages. Hervorragender Straßenzustand, Kurven und Kehren die einfach nur Spaß machen sowie die gigantische Aussicht, das sind nur einige Vorzüge der Sellarunde. Als wir abends in Colfosco bei einem Bier zusammen saßen, waren wir uns einig, daß ein erlebnisreicher Tag hinter uns lag.

[Diashow "Dolomiten"]

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